... Knapp 40 Jahre als Segler und dann den Umstieg auf ein Motorboot wagen ... Geht das überhaupt?

Das war so die allererste Frage nach meinem Unfall. Und wir haben dann eine Pro- und Contra-Liste erstellt um zu sehen, wo es hingehen könnte. In dieser Liste haben wir einige Eckpunkte wie Törnziele, Ausstattung und Art des des Schiffes aufgeführt. Da wir bereits einmal mit einem Stahlboot die "Segnungen von Salz, Wasser und Schiff" kennengelernt hatten, stand für uns fest, es sollte es jedenfalls kein Stahl sein.

Jetzt galt es zunächst die "nice to have" von den "must have" Dingen zu trennen. Aber unter dem Gesichtspunkt länger durchgehend an Bord zu verbringen, kamen natürlich auch solche Sachen zur Sprache, die für die Segelminimalisten ein absolutes "nogo" waren.

Man ist ja inzwischen ein wenig "in die Jahre gekommen!

In der nun folgenden "Findungsphase" prallten unsere unterschiedlichen Vorstellungen für ein optimales Boot erst einmal aufeinander.  Was wir jedoch nicht wussten war, mit Suche und Besichtigungen, mit Studium von Verkaufs-Portalen und Preislisten, von Messen und Ausstellungen, vergingen 6 Monate bis wir letztendlich fündig wurden.

Nun werden wir das Projekt, 3 Jahre mit einem Motorboot unterwegs, angehen und versuchen so neutral wie möglich zu dokumentieren. Vielleicht gibt es ja eine Reihe von Segler, die wie wir das Segeln beenden wollen oder müssen, aber nicht mit der grundsätzlichen Wasserverbundenheit aufhören wollen. Wir wollen natürlich auch nicht einen Segler zum MoBo-Fahrer oder den MoBo-Fahrer zum Segler bekehren, sondern tatsächlich nur weiter dem Wasser verbunden bleiben.



Wir lieben das was wir tun, und diese Passion versuchen wir jeden Tag neu zu leben!


Nachtrag 1:

Wir wurden des öfteren gefragt: "Warum habt Ihr kein Boot aus Stahl, gerade für einen längeren Verbleib an Bord gewählt?"

 

Die Antwort ist für uns eigentlich ganz einfach.....

 

Unser vorletztes Boot war ein wunderschöner 26 To Stahl Motorsegler mit allem Drum und Dran und auch für die Langfahrt ausgerüstet. Trotz permanenter Pflege haben sich auf diesem Schiff Stahl und Salz verbündet und als deren Kind kam eben Rost zur Welt. Nicht nur 1 Kind sondern ein ganzer Kindergarten. Wir konnten diesem Treiben aber nur mit erheblichem Aufwand Herr werden. Also beschlossen wir, auch Segel-technisch, auf Kunststoff umzusteigen. Im Nachhinein betrachtet hatte diese Entscheidung Vor- und Nachteile. Pflege und Unterhalt waren einfacher dafür aber  das Rustikale und das Urige leider dahin. Und, wir gehörten nun auch zu den Weißen.... 

Für unseren Törn haben wir uns noch einmal zusammen gesetzt und dieses unser Boot ist dabei heraus gekommen. Für Binnengewässer mit seinen Fahreigenschaften und die Ausstattung zum längeren Wohnen sind für unsere Belange optimal. Inzwischen im Schwarzen Meer angekommen haben wir unsere Entscheidung noch nicht bereut. Die Wellenempfindlichkeit mag etwas größer sein, aber erstens wir haben Zeit und zweitens es gibt Wetterberichte...

Wir haben unterwegs einige Crews getroffen mit dem gleichen Anspruch, über die Donau ins Mittelmeer zu kommen. Es war ein Segler mit einem Stahl Boot und gelegtem Mast sowie 2 MoBo Crews deren Boot aus Kunststoff war. Ob wir recht haben mit unserer Wahl wird die Zeit zeigen. Im Mittelmeer mit seinem Salzgehalt denken wir es ist richtig!

 

Nachtrag 2:

Nach reiflicher Überlegung erscheinen uns 3 Jahre einfach zu wenig um all das zu erleben und zu sehen was wir uns vorgenommen haben. Wir sind ja bereits jetzt ein halbes Jahr hinter unserem Basisplan. Mein Bauchgefühl sagt mir was von 4 - 5 Jahren für diesen Törn. 

Und dann, Gesundheit vorausgesetzt, stehen uns die Europäischen Wasserwege offen. Unser Schiff ist für genau diese Aufgabe prädestiniert. Ob es dann in der jetzigen Form so weiter geht oder wir uns für kürzere Teilstücke bzw. mehrere Monate am Stück entscheiden, das steht noch in den Sternen. Ziele jedenfalls, gibt es genug.....

 

Nachtrag 3:

Nach einem Winter in der Türkei, warm und relativ trocken sowie einem Winter in Griechenland, etwas kühler und etwas mehr Regen können wir zumindesten folgendes sagen:

Das Wohnen auf einem Motorboot mit seinem für uns besserem Platzangebot und auch der Anordnung der Räume ist für uns wesentlich angenehmer als auf unseren bisherigen Segel Booten! Dazu kommt der vollkommen abgeschlossene große Bereich über der Achterkabine. Er bietet uns bei allen Wetter Bedingungen immer einen entspannten Aufenthalt und sehr gute Übersicht. Gegessen wird zu 99,9 % immer hier oben und nicht in einem Keller......