"Auf Wiedersehn Türkei und Hallo Griechenland", so könnte unsere Überschrift im Moment auch lauten. Von eigenen Urlauben bzw. Kurztrips und von so vielen Menschen haben wir immer wieder die Herzlichkeit der Griechen erfahren. Auf unserer gesamten bisherigen Reise haben wir nie etwas auf Vorurteile gegenüber Menschen oder Volksgruppen gegeben. Und damit sind wir ausgezeichnet gefahren. Nach genau dieser Maxime werden wir weiterhin vorgehen und auf die Menschen zugehen.

 

.....Griechenland, wir freuen uns auf Dich......

 

Weiter unten findet Ihr eine "Griechenland Zusammenfassung" der SY Rasmus von Gabi & Wolfgang....

 


Da wir dieses ganze Jahr und wohl auch den Winter in Griechenland verbringen werden, hab ich von vorne herein auch Griechenland in einzelne Bereiche unterteilt. Somit kann sich jeder seinen Bereich bzw. seine für Ihn relevanten Informationen "besorgen".

 

Teil 1    Die Griechischen Ägäis Inseln

Teil 2    Das Ionische Meer Teil I

Teil 3    Winterlager Nidri 2016 - 2017

Teil 4    Das Ionische Meer Teil II

Teil 5    Winterlager Nidri 2017 - 2018

Teil 6    Das Ionische Meer Teil III

Teil 7    Winterlager Preveza 2018 - 2019

Teil 8    Das Ionische Meer Teil IV

 


Griechenland aus der Sicht der SY Rasmus

 

Ich habe mal mit dem Einverständnis von Gabi & Wolfgang (Eigner dieser Segelyacht) aus seiner letzten Rundmail einige interessante Passagen über „Griechenland“ hier übernommen. Ich möchte diese Euch nicht vorenthalten. Hier seine Ausführungen:

 

Griechenland gefällt uns von allen Mittelmeer Ländern nach wie vor am besten.

Griechenland ist klein.

Man spricht Englisch, bisweilen auch etwas deutsch.

Die Griechen sind recht freundlich, und man hat das Gefühl, dass sie alle   begriffen haben, wie wichtig zufriedene Touristen sind. Man fühlt sich  willkommen, und nicht indifferent oder gar unwillkommen, wie in anderen   Gegenden dieser Welt.

Wir sind uns einig, dass man bei Aufenthalten unter 3 Tagen keinen Ort auch nur annähern kennen lernen kann. Kriterium ist eigentlich, dass Einheimische einen auf der Straße wiedererkennen (also nicht nur der Kellner in der Taverne). Das braucht Zeit. Zwar nicht ganz so viel, wie in Deutschland, aber trotzdem.

In Griechenland gibt es sicher auch Gesetze und Regeln, aber im Grunde regiert meist der gesunde Menschenverstand, kombiniert mit Schlaffheit.

 

Zum Beispiel Liegegebühren: Sind in allen öffentlichen Häfen für unsere Schiffsgröße ca. 7 € pro Nacht. Aber dazu müsste man jeden Tag nachschauen, wer denn nun im Hafen liegt. Das ist anstrengend. Man könnte auch verlangen, dass die Gebühr in einem Büro entrichtet wird, aber dafür müsste man ein Büro haben, einen der drin sitzt, das Geld einnimmt, verbucht, weiterleitet, usw. Fazit: Wir haben nur 2 Mal etwas bezahlt. Dito mit Strom und Wasser: Wenn man funktionsfähige Anschlüsse findet (selten genug), dann ist das meist gratis.

 

Öffentliche Institutionen scheinen so zu funktionieren, wie oben beschrieben. Bei privaten sieht das sehr oft ganz anders aus. Hier ein paar Beispiele:

Dimitri aus Kiparissia ist ein guter Motormechaniker, der sich sein Handwerk im Wesentlichen selbst beigebracht hat, aber auch Explosionszeichnungen aus dem Internet holen und sich schlau machen kann. Der war nur deshalb verspätet bei uns aufgekreuzt, weil er bis morgens um 3 h eine Hydraulik auf einem Fischerboot repariert hatte und dann noch ein wenig schlafen musste.

Der Händler in Poros bestellte unsere Segellatten in Athen, aber sie kamen einfach nicht an. Tage später, wir waren schon in Pylos, organisierte er einen Transport der Latten dorthin. Eine Frau vom Supermarkt in Pylos rief mich an, und ein Fischer aus dem Hafen brachte sie bei uns vorbei. Das möchte ich mal in Deutschland erleben.

Beim Kaugummi kauen fiel mir eine alte Plombe raus. Als nach unserer Karacho Fahrt kurz vor Kalamata der Wind einpennte, setzte ich mich ans Internet, fand einen Zahnarzt in Hafennähe, rief ihn an und erfuhr, dass ich bis 21 h in seine Praxis kommen könnte. 19 h lagen wir festgemacht am Kai. 19:30 h saß ich auf seinem Stuhl. 20:15 h war ich um eine neue Plombe reicher und 60 € ärmer wieder an Bord. Das war definitiv der schnellste Zahnarztbesuch meines Lebens! Er ist übrigens Captain der Luftwaffe und praktiziert tagsüber auf dem Fliegerhorst von Kalamata.

 

Tavernen: Gibt es wie Sand am Meer und natürlich vor allem am Meer. Viele Eigentümer sind geschäftstüchtig, aber keine schlägt die Taverne Oasis am Kai von Poros. Der junge David ist dort Späher und beobachtet auf seinem Fahrrad ständig, welches Boot reinkommt und einen Liegeplatz sucht. Ältere Paare wie wir lässt er vorbeifahren, denn er hat es auf fettere Beute abgesehen: Charterboote, am liebsten Charterflottillen mit möglichst vielen Leuten an Bord. Dann benachrichtigt er blitzartig Michalis, der das Boot herbei winkt. Und der hat Fachkunde! Er weist den Skipper ein, wie der Einwinker auf dem Flughafen die Flugzeuge: Wo der Anker fallen soll, wo Crewmitglieder mit Fendern stehen sollen, welche Leinen parat gemacht werden müssen, usw. Ist das Boot vertäut, kommt er mit einem Stuhl, um das Aussteigen zu erleichtern und bringt gleich eine 1-L-Karaffe Weißwein zur Begrüßung mit. Dann kommt der dezente Hinweis, wo der Wein herkommt, nämlich von gegenüber aus der Taverne Oasis. Bei Interesse könne er ja schon mal einen Tisch reservieren. Für wie viele denn? Heute sei der Fisch sehr gut..... Abends dann ist Osasis prallvoll, David und Michalis helfen beim Servieren, und ein grimmiger Typ in Trainingshose tigert auf und ab und beobachtet die Szene mit Argusaugen. Name mir unbekannt, aber ganz offensichtlich der Eigentümer.

 

Der letzte Absatz oben beschreibt zwei Phänomene, an denen man als Segler in Griechenland kaum vorbei kommt: Tavernen und Charterboote. Mit beiden haben wir gewisse Probleme.

Jede Taverne hat zwar eine Speisekarte, aber eigentlich braucht man die nicht. Wenn Ihr schon mal beim Griechen in Deutschland wart, dann kennt Ihr sie ohnehin schon. Hinzu kommt, dass in den allermeisten Fällen das Essen beim deutschen Griechen unserem Geschmack mehr entspricht als das beim griechischen Griechen (um es mal diplomatisch auszudrücken). Ja, ich höre schon den Protest der Segelfreunde in Griechenland…..

Charterboote gibt es zum Glück nicht überall, aber en masse im Ionischen Meer (S von Korfu) und im Saronischen Golf (S von Athen). Diese Boote wurden über die Jahre immer grösser. Aber dummerweise sind die griechischen Häfen und die Kenntnisse der Skipper nicht mit gewachsen. Und anders als wir ankern Charterboote kaum, sondern liegen vorzugsweise am Kai gegenüber einer Taverne. Dabei gibt es dann manchmal haarsträubende Szenen, wie etwa bei flottem N-Wind in Loutra auf Kythnos, einem Hafen von ca. 60 x 60 m, in den im 5-Minuten-Takt 50-Fuss-Schiffe einliefen (ca. 15 m), in andere rein knirschten, oder gleich am Strand aufbrummten und vom Hafenmeister und einem Fischer ab geborgen werden mussten. Die Crew war danach so fertig mit der Welt, dass der Hafenmeister kurzerhand selbst an Bord kletterte und das Boot eigenhändig anlegte. Und wenn dann doch mal ein Charterboot frei ankert, dann trotz der riesigen Bucht garantiert nur eine Bootslänge von uns weg und mit maximal so viel Kette, wie das Wasser tief ist. Ich übertreibe jetzt vielleicht ein bisschen, aber eigentlich nur ein bisschen. Meistens hilft ein freundliches Wort, und im schlimmsten Fall gehen wir eben Anker auf und verholen uns ein paar 100 m weiter……

 

Neben Tourismus sind Oliven vermutlich das zweite Standbein der griechischen Ökonomie. Unser Bootsausrüster in Pylos hat 1200 Bäume, sein Kumpel 5000, andere noch mehr. Alle haben Oliven, und von jetzt bis zum Februar sind alle mit der Ernte beschäftigt. Dazu noch Horden von billigen Gastarbeitern aus Bulgarien, Rumänien und wer weiß woher. Geerntet werden sie im Grunde so wie vor 3000 Jahren. Man klopft sie von den Zweigen und Ästen und sammelt sie auf allen Vieren auf dem aufgespannten Tuch auf, nachdem man die Blätter weggefegt hat. Eine Knochenarbeit. Wenn man das sieht, wundert man sich, dass Olivenöl nur ca. 6 € pro L kostet.

 

Wie anderswo im Mittelmeerraum ist Müll im öffentlichen Raum immer präsent. Es scheint einfach niemanden zu kratzen. Sie halten ihre Häuser, Gärten und Eingänge sauber, aber in den Straßengräben liegen die PE-Flaschen, Dosen und Plastiktüten zu Millionen. Eine geniale Verwertungsidee oder wenigstens ein Pfandsystem würde ich mir dringend wünschen - gibts aber leider nicht.

 

Für das Auge ebenfalls verstörend sind die vielen nicht fertigen Häuser, die es überall gibt. Gefühlt sind 5-10 % aller Gebäude irgendwie beim Rohbau oder vor Fertigstellung verblieben. Ich kenne keine genauen Zahlen, aber die Summe an Geld, die hier nutzlos verbaut wurde, ist vermutlich in ähnlicher Größenordnung, wie die Schulden des Landes. Einheimische meinten auf meine Fragen dazu, dass davon viele Schwarzbauten seien, oder dem Bauherrn war eben das Geld ausgegangen. Mein Verdacht ist, dass vermutlich auch Subventionen die Ursache sein könnten. Wer wenig eigenes Geld einsetzen muss, aber viel von "anderen" bekommt, geht ganz andere Risiken ein. Und die wichtigste "Subvention" der letzte Jahre war ja zweifelsohne der niedrige Zins in der Eurozone. Egal, was nun letzlich die Gründe sind, ist es eine ästhetische und ökonomische Katastrophe, so viel Leerstand zu sehen.

 

Nach all dem Meckern nun zum Ausgleich noch ein paar positive Aspekte in Griechenland: Als Autofahrer kann man eigentlich immer auf "Reserve" fahren, denn es gibt eine Unzahl von Tankstellen. Klein, aber immer mit Service - so wie früher bei uns. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber vielleicht ist eine kleine Tankstelle der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit?

Kriminalität haben wir nie erlebt, dito auch keine Präsenz von Polizei. In Athen gibt es natürlich Polizei, und die haben auch Sirenen, die sie benutzen. Aber im Rest von Griechenland scheint es die nicht zu geben. Wir empfinden dies als sehr angenehm.

Viele Landstraßen, auch einsame, haben endlose, handbreit dicke, frischasphaltierte Streifen in der Nähe der Bankette. Ab und zu ein quadratischer Stahldeckel, dann geht es weiter mit den Streifen. Strom, Wasser, Telefon gibt es ja überall. Was mach das sein? Meine Vermutung: Glasfaserkabel fürs Internet.

 

Anders als das Angebot in den Tavernen ist das der Läden erstaunlich interessant. Ihr solltet mal zum griechischen Bäcker gehen. Da gibt es Vielfalt, die teilweise richtig lecker ist. Überraschend auch der enorme Fleischkonsum: Schwein, Huhn, Lamm, Rind, Ziege und für den, der es mag (so wie ich) sehr leckere Bratwürste aus alledem. Feta und Joghurt kennt jeder, aber die vielen verschiedenen Hartkäse kommen hier im Norden leider nie an.

 

Langer Rede kurzer Sinn: Solange man von griechischen Behörden nichts will oder braucht, lebt und segelt man da unten gar nicht so schlecht. Ich hoffe, dass ich Euch ein ausgewogenes Bild unseres Gastlandes beschrieben habe……….

 

SY Rasmus